27.12.06

Wunschbabys aus Spanien

Wunschbabys aus Madrid: "Mit einem konsequenten Kurs in Richtung modernster Reproduktionsmedizin hat sich Spanien einen Ruf als Land der Baby-Möglichkeiten erarbeitet. Ein neuer Gesetzesentwurf zur Biomedizin eröffnet weitere Geschäftsfelder. Ab 2007 wird in Spanien auch das therapeutische Klonen von Mutterstammzellen möglich sein. Die sozialistische Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero will mit diesem Gesetz erreichen, dass Spanien, das sonst in wenigen Bereichen weltweit führend ist, künftig mit seinem Wissen international punkten kann. Zu diesem Zweck wurde in diesem Jahr auch der Biomedizin-Park Parque de Investigación Biomédica in Barcelona mit einer Investition von 110 Mill. Euro eröffnet.

In Barcelona befindet sich bereits heute eine der renommiertesten spanischen Kliniken für künstliche Befruchtung – das Institut Marquès. Es residiert in einem historischen Gebäude, aber auch hier regiert absoluter Zukunftsglaube. Vor rund elf Monaten wurde ein 13 Jahre eingefrorener Spenderembryo erfolgreich in die Gebärmutter einer 41-jährigen Spanierin eingepflanzt. Das Kind kam vor wenigen Wochen zur Welt.

Nicht erst dieser für viele Kirchenvertreter im Lande zweifelhafte Rekord hat Spanien zu einem der fortschrittlichsten Länder in Sachen Reproduktionsmedizin gemacht.

In Spanien dürfen inzwischen Embryonen eingefroren und Eizellen gespendet werden. Auch alleinstehende Frauen können sich künstlich befruchten lassen, bis zu sieben Eizellen dürfen für die Entwicklung eines Embryo verwendet, drei Embryos können in die Gebärmutter eingepflanzt werden.

Seit vergangenem Jahr wird auch die Adoption von Embryonen in spanischen Kliniken praktiziert. 200 Paare haben sich bisher dafür interessiert, die Hälfte davon sind Ausländer, vor allem Deutsche und Briten. Mehr als dreißig Frauen sind in Spanien inzwischen auf diese Weise erfolgreich schwanger geworden. Allerdings ist dieser Weg zum Kinderwunsch nicht billig: Der Transfer gespendeter Embryonen in die Gebärmutter kostet beim Institut Marquès unabhängig vom Erfolg 10 000 Euro.

Ein moralisches Limit für den Kinderwunsch setzen die Spanier nur beim Alter. Frauen über 50 Jahre werden in den meisten Kliniken nicht mehr behandelt. Der Großteil der Patientinnen ist um die 40 Jahre alt, immer mehr kommen aus dem Ausland. Die meisten lassen sich zwei Embryos einpflanzen.

30.11.06

Sterilität durch Umweltbelastung

Die Zahl der unfrucht­baren Paare steigt - Umweltgifte
werden als mögliche Ursache gerne totgeschwiegen.

Der Umweltmediziner Klaus Rhomberg im derStandard.at-Interview
vom 28. November 2006

Klaus Rhomberg beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Auswirkungen von Schadstoffen auf den menschlichen Organsimus. In seinen Studien warnt er vor den Schadstoffeinflüssen auf das Kind im Mutterleib und vor der zunehmenden Unfruchtbarkeit durch Umweltgifte. Das Problem ist aber nicht neu, sondern so alt wie die klassische Antike: Die Erfindung der Bleirohre für die Wasserversorgung hatte im alten Rom vor allem in der reichen Oberschicht zu einer drastischen Verminderung der Kinderzahl geführt.

derStandard.at: Herr Rhomberg, ihr Bericht ist fast fünf Jahre alt. Hat sich inzwischen die Situation verbessert?

Rhomberg: Nein überhaupt nicht. Es ist nur interessant wie die Rezeption ist – wer geht wie mit dem Thema um.

derStandard.at: Fünf bis sieben Prozent der Paare gelten heute als fortpflanzungsunfähig. Die Schadstoffbelastung in der Nahrung spielt dabei eine große Rolle. Viele Experten gehen von einer 'steigenden Tendenz' aus. Warum glauben sie wird über derart beunruhigende Prognosen kaum in der Öffentlichkeit gesprochen?

Rhomberg: Au, das ist ein schwieriges Thema. Das ist deshalb so schwierig, weil es nämlich mit der medialen Kontrolle von Massen in Zusammenhang steht. Noam Chomsky hat 2003 das Buch Media Control herausgebracht. Da wird genau beschrieben wie es die Mächtigen schaffen eine bestimmte Meinung oder Weltanschauung zu verbreiten. Das ist sehr interessant.

derStandard.at: Wie kann man das genau verstehen. Haben Sie ein Beispiel?

Rhomberg: 1986 zum Beispiel ist vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium eine Studie herausgekommen, wo der Schadstoffgehalt von Biogemüse mit Industriegemüse verglichen wird. Da kommt heraus es ist kein Unterschied. Die Studie wurde von BASF, Höchst und noch einer dritten Großchemiefirma gesponsert.

Zwei Jahre später wurde in Tutzing eine kleine Pressekonferenz einberufen, wo diese Studie fundamental zerpflückt worden ist. Von der Probenziehung über die Analyse bis zum Weglassen der brisantesten Werte. Aber die Geschichte, dass es egal ist wie man Gemüse anbaut, hängt heute noch in den Köpfen herum. Dieses Argument kommt, wenn ich Vorträge halte wie das Amen im Gebet.

derStandard.at: Wie entscheidend ist ihrer Meinung nach die Ernährung mit biologischen Nahrungsmittel für die Fertilität (Fruchtbarkeit)?

Rhomberg: Wir wissen jeder hat hunderte Schadstoffe im Organismus, die eigentlich nicht hinein gehören. Jedes einzelne dieser Fremdmoleküle hat eine bestimmte Falschinformation, die dieses in das komplexe System Mensch hineinträgt.

Kritische Umweltmediziner wollten Anfang der 1980er wissen: Bei welchen Organfunktionen oder Organsystemen des Menschen muss man suchen, damit man auch bei kleinsten Beeinträchtigungen von Dosierungen schon die ersten Wirkungen hat.

derStandard.at: Auf welches Organsystem ist die Wissenschaft gekommen?

Rhomberg: Es hat sich herauskristallisiert, dass das die Systeme sein müssen, die den höchsten Bedarf an stimmiger Informationsübertragung haben. Über den Botenstoffaustausch, die Zelloberfläche, DNA Kette oder Zellkerne. Also überall wo sich in unserem Organismus Biomoleküle begegnen, muss eine stimmige Informationsübertragung da sein. Und da hat es geheißen das ist das zentrale Nervensystem, das ist das Immunsystem, das ist die Fortpflanzungsfähigkeit und das ist die Entwicklung des Kindes im Mutterleib.

Und wenn dann ein "Hintergrundrauschen" hineinkommt, von Falschinformationen von hunderten schädlichen Substanzen in niedrigster Dosis, wo bewirkt das am ehesten erste Anzeichen? Ebendort: Im zentralen Nervensystem, im Immunsystem, und bei der Fortpflanzungsfähigkeit.

derStandard.at: Welche Auswirkung hatte diese Erkenntnis auf den Zusammenhang von Schadstoffbelastung und Fertilität konkret?

Rhomberg: Um das Thema Fertilität hat sich vor allem Frau Prof. Gerhard beschäftigt. Diese Frau hat 1987 begonnen Blei, Cadmium und Quecksilber, Holzschutzmittel und Pflanzenschutzmittel in der Körperbelastung darzustellen. Sie hat Messungen an Patientinnen in ihrer gynäkologischen Ambulanz in Deutschland durchgeführt und eine Studie über die Belastungen verfasst.

Ihre Haupterfahrung in vielen Jahren Forschung war: Wenn ein Paar keine Kinder bekommen kann, und und dieses auf biologische Vollwertkost umsteigt, dann kann die Hälfte innerhalb von ein bis zwei Jahren Kinder kriegen. Würden diese nicht die Ernährung umstellen und zur In Vitro Fertilisation gehen, würde das maximal 20 Prozent bringen.

derStandard.at: Haben sich auch In Vitro Fertilisations Spezialisten damit beschäftigt?

Rhomberg: Feichtinger in Wien zum Beispiel: Der hat die Pestizide in den Eibläschen nachgewiesen. Die Frauen werden dann trotz In Vitro Fertilisation nicht schwanger, wenn sie zu hoch belastet sind. Das ist ein Thema mit solcher Brisanz, es ist einfach unvorstellbar.

derStandard.at: Was muss passieren damit die nötige Aufmerksamkeit entsteht?

Rhomberg: Es muss offiziell anerkannt werden, dass diese Zusammenhänge amtlich besiegelt sind. Das hieße aber, dass die gesamte Landwirtschaft in Österreich und EU weit auf Biolandwirtschaft umstellen müsste.

derStandard.at: Welche Auswirkungen hat die fehlende Aufmerksamkeit?

Rhomberg: Die Botschaft ist: Die herkömmliche Ernährungsituation und der industrielle Landbau sorgen für eine Verdoppelung der Unfruchtbarkeitsrate. Was das alleine für die Pensionskassen und die Bevölkerungskurven bedeutet...

derStandard.at:... Verdoppelung in welchem Zeitraum?

Rhomberg: In den letzten drei Jahrzehnten. Also seit es den Wahnsinn mit dem Einsatz von den Giften gibt. Die schlimmsten hat man zwar weggenommen, aber sie kommen über den Umweg der Dritten Welt, wie zum Beispiel mit Soja wieder herein.

derStandard.at: Öffentliche Institutionen reagieren mit Normwert Änderungen. Sie erwähnen in ihrem Bericht als Beispiel den Normwert der Spermiendichte, der im Jahr 1950 bei 120 Millionen Spermien pro Milliliter lag. Heute beträgt der Normwert laut WHO nur noch 20 Millionen Spermien pro Milliliter.

Rhomberg: Richtig, ja. Die Wissenschaft hat zum Beispiel vier Jahre lang vor BSE gewarnt und von Einzelfällen berichtet. Und was ist passiert? Nichts. Es ist absolut nichts passiert. Im Jahr 97 ist dann der Druck so groß geworden. Da haben dann die englischen Behörden reagieren müssen.


Zur Person

Klaus Rhomberg ist Facharzt für Medizinische Biologie in Innsbruck. Er kommt aus der Humangenetik und wurde durch zahlreiche Studien bekannt.
Er war Gastwissenschafter am Institut für Sozialmedizin in Wien, wo er sich mit Transitfragen und Lärmwirkungsforschung beschäftigte, seit 1993 ist er selbstständig und ist hauptsächlich als Gutachter tätig.

Via: naheliegend

31.10.06

Übergewicht schädigt Fruchtbarkeit der Männer

Zehn Kilo Übergewicht steigert das Risiko um zehn Prozent

Ein Wissenschaftsteam um Markku Sallmen des Finnish Institute of Occupational Health in Helsinki sowie des National Institute of Environmental Health Sciences in Research Triangle Park, North Carolina, hat nachweisen können, dass Männer mit Übergewicht eine größere Chance haben, unfruchtbar zu werden.

Laut den Forschern steigt die Gefahr der Unfruchtbarkeit um zehn Prozent pro zehn Kilogramm Übergewicht an. Diese erste Studie über den Zusammenhang zwischen Übergewicht bei Männern und Unfruchtbarkeit wurde in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Epidemiology veröffentlicht.

Um zu ihrer Erkenntnis zu kommen, befragten die Wissenschaftler 1.468 amerikanische Landwirte und deren Ehefrauen über ihren persönlichen Gesundheitszustand, ihr Gewicht und Schwangerschaften und den Versuchen, ein Kind zu bekommen. Die Analyse beschränkte sich auf Paare, die in den letzten vier Jahren mit oder ohne Erfolg versucht haben, schwanger zu werden, und bei denen die Frau jünger als 40 Jahre war. Als unfruchtbar werteten die Forscher Paare, die länger als zwölf Monate vergeblich versuchten, ein Kind zu bekommen. 28 Prozent der befragten Paare fielen in diese Kategorie.

Auch unter Berücksichtigung von anderen Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen könnten, wie etwa Alter und Übergewicht der Frau, Rauchen, Alkoholgenuss und Belastung mit Pestiziden, ergab die Untersuchung, dass ein hoher Body-Mass-Index (BMI) des Mannes ein wichtiger Risikofaktor für die Unfruchtbarkeit darstellt. Bei den stark Übergewichtigen war das Risiko sogar doppelt so hoch, unabhängig vom Alter der Männer.

Laut Sallmen gebe es verschiedene mögliche Erklärungen, warum Übergewicht bei Männern die Fruchtbarkeit beeinflusst. So könnte Übergewicht mit einer schlechteren Samenqualität oder einer niedrigeren Samenkonzentration einhergehen oder Hormonabweichungen verursachen. Ein weitere Erklärung wäre, dass das Libido von dicken Männern einfach niedriger ist. "Unsere Studie sagt über diese Mechanismen allerdings nichts aus, und ebenso wenig beantwortet sie die Frage, ob Gewichtsverlust die Fertilität wiederherstellen kann", so Sallmen. Der Forscher meint, dass die Befunde einen ersten Schritt zur Bestimmung des Zusammenhangs zwischen Übergewicht und männlicher Unfruchtbarkeit darstellen.

23.9.06

Hormoncocktail macht Sperma erfolgreicher

Hormoncocktail macht Sperma erfolgreicher "Ob eine Frau gerade ihren Eisprung hat, kann man(n) nicht sehen. Deshalb, so glaubt eine US-Forscherin, entwickelten Männer im Laufe der Evolution eine raffinierte Strategie, um beim Sex tatsächlich Nachkommen zu zeugen: einen Hormoncocktail im Sperma.

Die männliche Samenflüssigkeit verdankt ihre besondere chemische Zusammensetzung einer Art evolutionärem Wettrennen, vermutet eine amerikanische Psychologin: Als sich bei den Frauen der so genannte verborgene Eisprung ohne charakteristische körperliche Anzeichen entwickelte, statteten die Männer sozusagen als Gegenstrategie ihr Sperma mit einem Hormoncocktail aus, der im Körper der Frau die Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung erhöht. Auf diese Weise verbesserte sie die Chance, bei einem sexuellen Kontakt auch tatsächlich Nachkommen zu zeugen. Über die These von Rebecca Burch von der New-Yorker-Staatsuniversität in Oswego berichtet das Wissenschaftsmagazin 'New Scientist'.

Anderer Duft, aber kein roter Hintern

Im Gegensatz zu vielen Tieren und auch den meisten anderen Primaten weisen beim Menschen nur sehr subtile Zeichen auf den Eisprung bei Frauen hin. Während beispielsweise Schimpansenweibchen ihre fruchtbare Periode durch ein deutlich geschwollenes und gerötetes Hinterteil anzeigen, verändern sich bei menschlichen Frauen lediglich Verhalten, Körpergeruch und Gesichtsform geringfügig mit dem Zyklus. Das stellt Männer vor gewisse Probleme: Da die eindeutigen Signale fehlen, können sie nicht sicher sein, ob ein sexueller Kontakt während der fruchtbaren Tage stattfindet und daher eine reelle Chance auf Nachwuchs besteht.

Eine Strategie der Evolution, dieses Manko zu kompensieren, könnte die Zugabe einer ungewöhnlich großen Menge an Hormonen zur männlichen Samenflüssigkeit gewesen sein, vermutet Burch. Diese enthält unter anderem das so genannte follikelstimulierende und das luteinisierende Hormon, die die Reifung der Eizelle beschleunigen, sowie eine Substanz namens HPL, die zur Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft beiträgt. So ausgestattet kann die Samenflüssigkeit in dem Moment, in dem sie in den Körper der Frau gelangt, den Eisprung beschleunigen und damit auch die Chancen auf eigenen Nachwuchs vergrößern, so Burchs Theorie.

Künstliche Befruchtung dank Hormoncocktail erfolgreicher?

Laut Burch wird diese These dadurch gestützt, dass Schimpansen, die sich nach wie vor auf deutliche Signale ihrer Weibchen verlassen können, ihr Sperma mit sehr viel weniger Hormonen ausstatten als Menschen. Genutzt werden könnte der menschliche Hormoncocktail beispielsweise bei künstlichen Befruchtungen, empfiehlt die Wissenschaftlerin: Würde statt der isolierten Samenzellen die gesamte Samenflüssigkeit verwendet, könnte der Erfolg der In-vitro-Fertilisationen ihrer Ansicht nach deutlich gesteigert werden.

Via Stern.de

19.9.06

Embryonenschutzgesetz: FrauenärztInnen fordern Neuauslegung

Die für Mütter und Kinder gefährlichen Mehrlingsschwangerschaften nach einer künstlicher Befruchtung könnten in Deutschland künftig verhindert werden. In einem Brief an die JustizministerInnen der Länder haben die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie (DGGG) gemeinsam mit dem Dachverband für Reproduktionsbiologie und -medizin anlässlich der Eröffnung des 56. Kongresse der DGGG am 19. September in Berlin gefordert, die Übertragung nur eines oder zweier ausgewählter Embryos in die Gebärmutter auch in Deutschland zu erlauben.


Embryonenschutzgesetz muss zu Gunsten von Mutter und Kind ausgelegt werden


Bislang ist eine solche Auswahl nach dem Embryonenschutzgesetz (ESchG) nicht erlaubt - genauso wenig dürfen befruchtete Embryonen aufbewahrt werden. Die Folge für ReproduktionsmedizinerInnen: Sie müssen alle befruchteten Embryonen in die Gebärmutter der Frau einpflanzen – und das bedeutet in vielen Fällen eine mit Risiken behaftete Mehrlingsschwangerschaft.

Dabei kommt es den ÄrztInnen eigentlich darauf an, Mutter und Kinder möglichst geringen Risiken auszusetzen. Ziel der Reproduktionsmedizin sei es zwar primär, ungewollte Kinderlosigkeit nach dem neuesten Stand der Wissenschaft zu behandeln, heißt es in dem Brief an die JustizministerInnen.Dabei stehe jedoch nicht nur die Überwindung der Unfruchtbarkeit im Vordergrund, "sondern in gleicher Weise auch die notwendige Vermeidung von Risiken, die sich aus den Methoden der Assisted Reproductive Techniques (ART) ergeben können."

"Drillingsschwangerschaften dringend vermeiden"
Eine entsprechende und ethisch vertretbare Auslegung des ESchG sehen die Präsidenten der beiden Fachgesellschaften im Bereich des Möglichen: Unter den deutschen ReproduktionsmedizinerInnen bestehe die einhellige Meinung, dass die Übertragung eines oder zweier ausgewählter Embryonen (so genannter "Single" (SET)oder "Double Embryo Transfer" (DET)) medizinisch und ethisch sowohl zum Schutz der Frau als auch zur Vermeidung von Mehrlingsschwangerschaften angewendet werden sollte. Neben den Gefahren für die Mutter von Drillingen verweisen die WissenschaftlerInnen auf die hohe Sterblichkeitsrate und die oftmals schweren Behinderungen der Mehrlingskinder. "Es besteht deshalb die dringendste Notwendigkeit, zumindest Drillingsschwangerschaften weitestgehend zu vermeiden, aber gleichzeitig eine hohe Schwangerschaftsrate zu erreichen," so die beiden Fachgesellschaften in ihrem Brief.

GMG führte zu starkem Rückgang der künstlichen Befruchtungen

Denn die ist in Deutschland im Vergleich etwa zu Skandinavien, recht gering. Wird in den nordischen Staaten mit der SET-Methode eine Quote von fast 40 Prozent erreicht, müssen sich deutsche Frauen und Paare mit einer „Erfolgsquote“ von 28 Prozent zufrieden geben. Auch insgesamt versuchen immer weniger Paare ihr Glück mit der In-vitro-fertilisatio (IVF), wie die künstliche Befruchtung im Fachterminus heißt. Ursache dürfte das Gesundheitsmodernisierungsgesetz, kurz GMG sein. "Seit Inkrafttreten des Gesetzes im Jahre 2004 müssen die Eltern in spe 50 Prozent der Kosten selbst tragen", betonte der 2. Vizepräsident der DGGG und Mitunterzeichner des Briefes, Klaus Diedrich. Die Zahlen der künstlichen Befruchtungen seien seit 2004 um mehr als die Hälfte zurückgegangen, so der Lübecker Professor.

Bei der angestrebten Auslegung des Gesetzes berufen sich die Unterzeichner des Briefes auf ein Konzept, das unter der Leitung des Geschäftsführenden Direktors des Instituts für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht und Bioethik der Universitäten Mannheim und Heidelberg, Jochen Taupitz, erarbeitet worden ist. Hauptpunkt ist eine individuelle Herangehensweise. Auch einschlägige Kommentare verträten die Auffassung dass der relevante § 1 Abs. 1 Nr. 5 des ESchG keine starre Quote für die Anzahl der Befruchtung von Eizellen vorschreibe, sondern vielmehr flexibel und abhängig von der individuellen Situation eines Paares angewendet werden könne. Nun gelte es die Einschätzung der JustizmininsterInnen abzuwarten, so Diedrich, der sich bescheiden gab: "Auch wenn nur eine neue Debatte um das Embryonenschutzgesetz entfacht wird, haben wir mit unserem Brief etwas erreicht!"

14.8.06

Gestern beim Wunderheiler (Ein Kind in 15 Sekunden)

..so titeln dieKinderwunsch-News: Paar: Also, wir sind hier wegen….

Wunderheiler: ich weiß, ich weiß…ich wusste dass Sie heute kommen. Lehnen Sie sich bitte dort mit dem Rücken an die Wand.

P: Äh, o. k., aber….vielleicht brauchen Sie noch ein paar Infos zur Vorgeschichte.

WH: Nein, ich weiß, ich weiß. Um Ihre Frisur kümmere ich mich auch. Und neue Kleider gibt es gleich dazu. Und nun stehen Sie bitte ganz still und lassen die [hier beliebigen Hokuspokus einsetzen] auf sich wirken.

P: O. K. ……Huch!"

Warum die Frau sich erschrickt, ist hier zu sehen. Viel Spass :-)

10.7.06

Spermien aus Stammzellen können befruchten

Göttingen/Cambridge (dpa) - Forschern der Universität Göttingen ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, Mäuse mit Hilfe "künstlicher" Spermien zu erzeugen. Aus embryonalen Mäuse-Stammzellen seien männliche Keimzellen entwickelt und damit Eizellen künstlich befruchtet worden, teilte die Hochschule am Montag mit.

Die Ergebnisse seien ein "Meilenstein auf dem Weg zum Verständnis der Bildung männlicher Keimzellen bei Säugetieren", sagte der Humangenetiker Prof. Karim Nayernia. Die Wissenschaftler haben ihre Arbeit in der US-Fachzeitschrift "Developmental Cell" (Bd. 11, S. 125) veröffentlicht.

Die Forscher hatten embryonale Mäuse-Stammzellen mit Hilfe bestimmter Wachstumsfaktoren dazu angeregt, sich in einem Kulturmedien zu männlichen Keimzellen zu entwickeln. Mit diesen Spermien-ähnlichen Zellen wurden dann 65 Eizellen befruchtet und in Mäuse eingebracht.

Die sieben daraufhin geborenen Mäuse waren allerdings entweder größer oder kleiner als auf natürlichem Weg gezeugte Artgenossen und starben früher. Beides deute auf eine unvollständige "Umprogrammierung des Genoms während der Keimzellbildung" hin, sagte Nayernia. Es sei demnach nicht gelungen, alle komplizierten Entwicklungsschritte bei der Spermienbildung in der Kulturschale vollständig nachzuvollziehen.

Die Experimente sollen jetzt an Weißbüschelaffen wiederholt werden, "um zu erfahren, ob die Methode auch bei Primaten funktioniert", sagte der Direktor der Abteilung Humangenetik, Prof. Wolfgang Engel

23.6.06

Experte warnt: Unfruchtbarkeit in Europa wird sich verdoppeln

Die Unfruchtbarkeit in Europa wird sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. Eines von sieben Paaren hat laut BBC derzeit Schwierigkeiten ein Kind auf natürlichem Weg zum empfangen. Bill Ledger von der University of Sheffield warnt, dass dieser Wert auf ein von drei Paaren ansteigen könnte. Er erklärte, dass Frauen Auszeiten in ihrem Arbeitsleben angeboten werden sollten, damit sie früher Kinder haben können. Fettleibigkeit und sexuell übertragene Infektionen erhöhten die Unfruchtbarkeit ebenfalls. So haben sich die Chlamydien Infektionen innerhalb des letzten Jahrzehnts verdoppelt. Sechs Prozent der Mädchen unter 19 Jahren gelten derzeit als stark übergewichtig. Ein potenzieller Anstieg der männlichen Unfruchtbarkeit könnte laut Ledger ebenfalls deutliche Auswirkungen haben. Die Quantität und die Qualität des Spermas scheinen sich zu verschlechtern.

"Die jungen Menschen von heute werden morgen die Patienten in den Kliniken zur Behandlung von Unfruchtbarkeit sein", so Ledger. Das Ansteigen von sexuell übertragenen Infektionen bei jungen Teenagern werde bei manchen eine Blockierung der Eileiter verursachen. Aus fettleibigen Kindern würden meist auch fettleibige Erwachsene. Viele dieser Frauen hätten Schwierigkeiten mit dem Eisprung. Wenig flexible Arbeitszeiten sowie finanzielle und karrierebedingte Ambitionen führten zu einer Aufschiebung der Familienplanung bis die Frauen Ende dreißig oder Anfang vierzig seien. "Die Zukunft der Bevölkerung Europas ist gefährdet, da zu wenige Kinder geboren werden." Es sei noch nicht zu spät, diesen Trend wieder rückgängig zu machen. In vielen Ländern, wie in Skandinavien, würden Richtlinien eingeführt, die es Frauen erleichterten früher Kinder zu haben. "Frauen sind nach dem 35. Lebensjahr einfach nicht mehr so fruchtbar. Es ist leichter und unkomplizierter, sie in jüngeren Jahren so gut wie möglich bei der Familienplanung zu unterstützen als zu warten bis eine künstliche Befruchtung erforderlich werden kann."

Künstliche Befruchtung bringt Vorteile für die Wirtschaft - pressetext.deutschland

Die Kosten der Finanzierung von künstlichen Befruchtungen werden bei weitem von der ökonomischen Leistung des geborenen Kindes aufgewogen. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Teams um Bill Ledger von der University of Sheffield gekommen. Die Wissenschaftler berechneten, dass eine künstliche Befruchtung rund 13.000 Pfund kostet, jedes Kind jedoch 147.000 Pfund an Steuern und Versicherungen in die Wirtschaft Großbritanniens einbringt. Sie argumentieren laut BBC, dass diese Zahlen dem Ansinnen Gewicht verleihen, dass das NHS drei Versuche einer künstlichen Befruchtung bezahlen sollte. Die Folge wären 10.000 mehr IVF-Kinder in den nächsten zwei oder drei Jahren. Derzeit wird vielen Paaren nicht einmal ein Versuch zugestanden. Der frühere Gesundheitsminister John Reid hatte dieses Angebot bereits 2004 eingefordert. Seiner Meinung nach sollten jene Institutionen, die die medizinische Grundversorgung sicherstellen und die künstlichen Befruchtungen finanzieren auf lange Sicht drei Versuche bezahlen.

Eines von sieben britischen Paaren leidet unter Unfruchtbarkeit. Dennoch verfügt das Land mit 600 Versuchen pro einer Million Frauen über eine der schlechtesten Quoten bei der Finanzierung von künstlichen Befruchtungen. In Dänemark, einem jener Länder, die die meiste Unterstützung bieten, liegt dieser Wert bei 2.000 künstlichen Befruchtungen pro einer Million Frauen. Für die aktuelle Studie verglichen die Wissenschaftler die Kosten einer künstlichen Befruchtung mit den wirtschaftlichen Vorteilen. Es wurde dafür von einer Ausbildung bis zum 19. Lebensjahr und einer Vollzeitbeschäftigung ausgegangen. Die angenommenen Werte berücksichtigen eine dem Alter entsprechende Gesundheitsversorgung. Die Forscher berechneten, dass die Regierung im Verlauf eines Lebens insgesamt 160.000 Pfund einnehmen würde. Zieht man die Kosten für die künstliche Befruchtung ab, bleiben noch 147.000 Pfund. Das Kind würde im Alter von 31 Jahren die Kosten für die künstliche Befruchtung wieder zurückbezahlt haben.

Die europäische Bevölkerung altert. Viele Länder, auch Großbritannien, fallen unter die erwünschte Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau, die für eine stabile Bevölkerungszahl notwendig ist. In Großbritannien zeigen die Geburtenzahlen derzeit. Trotzdem liegt sie derzeit nur bei 1,8. Geringere Geburtenzahlen bedeuten bei einer höheren Lebenserwartung, dass es mehr ältere Menschen geben wird als jüngere und damit die auf die Gesellschaft entfallenden Kosten steigen. Mitglieder des unabhängigen Think-Tanks Rand Europe argumentieren, dass die unter anderem die künstliche Befruchtung und nicht wie vielfach argumentiert die Migration zur Erhöhung der Bevölkerungszahlen beitragen sollte.

Genitale Chlamydien weniger schädlich als angenommen

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Nicola Low des Instituts für Präventiv- und Sozialmedizin der Universität Bern http://www.unibe.ch hat entdeckt, dass eine genitale Chlamydieninfektion bei jungen Frauen seltener zu ernsthaften Komplikationen führt, als bisher angenommen wurde. In nur 2,7 Prozent der Fälle folgt auf eine genitale Chlamydieninfektion eine Eileiterschwangerschaft. Das Risiko der Unfruchtbarkeit liegt bei 6,7 Prozent. Diese Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Online-Fachzeitschrift Sexually Transmitted Infektions veröffentlicht.

Chlamydien sind Bakterien, die Erkrankungen der Schleimhäute im Bereich der Augen, der Atemwege und im Genitalbereich auslösen. Sie sind die häufigste Ursache für vermeidbare Erblindung in den ärmsten und entferntesten Gebieten der Welt und sexuell übertragener Erkrankungen. In fast 80 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung ohne Symptome. Nichtentdeckung kann zu chronischen Entzündungen von Harnröhre, Gebärmutter oder Eileiter führen. Gemäß neueren Studien heilt die Infektion aber bei rund der Hälfte der Patientinnen von alleine, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen.

Das Forscherteam fand nun heraus, dass eine frühere Chlamydieninfektion das Risiko für ungewollte Kinderlosigkeit oder Schwangerschaftskomplikationen zwar erhöht, aber dass diese Folgen weit weniger häufig auftreten, als frühere Untersuchungen vermuten lassen. Diese Erkenntnis geht aus einer langjährigen Kohortenstudie hervor, in der im schwedischen Uppsala zwischen 1985 und 1989 44.000 Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren auf Chlamydien getestet wurden. Bis 1999 wurden die Frauen auf eventuelle Folgen einer früheren Chlamydieninfektion untersucht.

Eine Chlamydieninfektion kann mittels verschiedener, teurer Testverfahren nachgewiesen werden. Eine davon ist der Nachweis von Bakterien durch Anzucht in speziellen Zellkulturen. "Eine niedere Rate von Chlamydien-Komplikationen ist eine erfreuliche Nachricht für die einzelne Patientin, aber damit stellt sich jedoch auch die Frage nach den Kosten und dem Wert heutiger Testverfahren", stellt Low fest. Der Nutzen von regelmäßigen Chlamydientests sei bisher wohl überschätzt worden. Es werde eine neue realistische Einschätzung der Art und Häufigkeit von Chlamydien-Tests gebraucht.

Angelika Stary, Fachärztin für Haut- und Geschlechtserkrankungen und Leiterin des Ambulatoriums für Pilzinfektionen in Wien, teilt diese Meinung nicht. "Die international herrschende Auffassung ist, dass Frauen sehr regelmäßig auf Chlamydien kontrolliert werden sollten. So empfehlt das amerikanische Center for Disease Control eine alljährliche Untersuchung für alle jungen Frauen", erklärt Stary im pressetext-Gespräch. Die allgemeine Annahme sei, dass Chlamydien in einem beträchtlichen Ausmaß zu Infertilität führen. "Man muss mit solchen Schlussfolgerungen daher sehr vorsichtig sein", so Stary.

Psychologische Beratung stellt Fruchtbarkeit wieder her

Psychologische Beratung kann perfektionistischen Frauen helfen ihre Fruchtbarkeit wiederzuerlangen und schwanger zu werden. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Emory University http://www.emory.edu gekommen. Es zeigte sich, dass auch eine kognitive Verhaltenstherapie alleine ausreichte, damit Frauen, die keine Periode und keinen Eisprung mehr hatten, ihre Fruchtbarkeit wiedererlangten. Dieser Behandlungsansatz kommt normalerweise bei Patienten mit Depressionen zum Einsatz. Eine Anhäufung von Stress kann bei der Verhinderung des Eisprunges eine entscheidende Rolle spielen. In manchen Fällen kann sich dieser Effekt schrittweise auf subtile Art und Weise aufbauen. Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) kann den Frauen helfen, "aus Gebirgen Maulwurfhügel zu machen".

Viele der Frauen, die das Team behandelte, waren Perfektionistinnen, egal ob sie sehr anstrengende Jobs hatten oder nicht arbeiteten. In beiden Fällen führte dieses Verhalten zu großen Mengen von Stress. Andere Frauen fühlten sich durch die Ansprüche anderer Menschen auf ihr Leben überwältigt und gestresst. Bei keiner der Frauen wurden Angstgefühle oder Depressionen diagnostiziert. Die Wissenschafter untersuchten, warum diese allgemein gesunden Frauen, mehr als 20 Jahre lang keine Menstruation und keinen Eisprung mehr hatten. Fünf bis zehn Prozent der haben zu keinem Zeitpunkt eine Periode. Ein viel größerer Prozentsatz ist nicht in vollem Ausmaß fruchtbar. Das Team stellte bereits in der Vergangenheit einen engen Zusammenhang zwischen den Werten von Stresshormonen und den die Fruchtbarkeit beeinflussenden Hormonen fest.

Die vorausgehende Studie konzentrierte sich auf 16 junge Frauen, die sechs Monate lang keine Periode gehabt hatten, obwohl einige bereits Kinder hatten. Bei allen Teilnehmerinnen wurde eine funktionelle hypothalamische Amenorrhoe (FHA) festgestellt, die durch eine anhaltende Verringerung jenes Hormons verursacht wurde, das die Freigabe von Hormonen in den Blutkreislauf veranlasst, die den Eisprung auslösen. Die Frauen wiesen erhöhte Werte von Cortisol auf, einem Hormon, das mit Stress in Zusammenhang steht. Die Hälfte der Frauen wurde 20 Wochen lang mit einer auf ihre Situation ausgerichteten kognitive Verhaltestherapie behandelt. Diese Behandlung war darauf ausgerichtet, die Teilnehmerinnen beim Umgang mit ihren Problemen zu unterstützen und Perspektiven zu entwickeln. Die zweite Hälfte der Frauen wurde lediglich beobachtet.

Im Verlauf der Studie erlangten sechs der acht Frauen, die mit der kognitiven Verhaltenstherapie behandelt wurden ihre volle Fruchtbarkeit wieder. Eine Frau wies Anzeichen einer wiederhergestellten Funktion der Eierstöcke auf. Zwei Teilnehmerinnen wurden später innerhalb von zwei Monaten schwanger. Von den acht Frauen der Kontrollgruppe wurde nur eine wieder fruchtbar. Die anderen Teilnehmerinnen zeigten Anzeichen einer Funktion der Eierstöcke. Bei den Frauen in der Therapie-Gruppe sanken die Cortisol-Werte und die Schlüsselsignale, die einen Eisprung auslösen wurden wieder hergestellt. Die leitende Wissenschaftlerin Sarah Berga erklärte laut BBC, dass Mediziner wieder jenen Ansatz vertreten sollten, als man den Frauen riet sich einfach zu entspannen, dann würden sie schon schwanger werden. "Menschen entspannen sich nicht, weil man es ihnen gesagt hat. Man muss ihnen auch zeigen, wie man sich entspannt."

1.6.06

Erfolg mit nur einem Embryo

Der Erfolg einer künstlichen Befruchtung hängt von der Qualität des eingepflanzten Embryos ab, nicht vom Alter der Mutter.
Weitere Informationen

Finnische Mediziner haben in einer Studie erstmals nachgewiesen, dass Frauen zwischen 36 und 39 mit der so genannten SET-Methode (Single-Embryo-Transfer) durch eine künstliche Befruchtung ebenso erfolgreich schwanger werden wie jüngere Frauen.


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Unfruchtbarkeit – Kein Baby an Bord?
Forschung – Lexikon der Sexualität




In skandinavischen Ländern gilt der Single-Embryo-Transfer für Frauen bis 35 als Standardmethode der In-vitro-Fertilisation. Das heißt, nach der Befruchtung im Labor pflanzen Ärzte der Frau nur einen einzigen Embryo ein. Sie wählen dafür den mit der besten Qualität und höchsten Chance für die Einnistung. Auf diese Weise erzielen sie eine hohe Erfolgsquote, ohne die Belastung einer Mehrlingsschwangerschaft. In Deutschland ist diese selektive Vorauswahl nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Hierzulande dürfen nur so viele befruchtete Eizellen über das Vorkernstadium hinaus kultiviert werden, wie auch tatsächlich in die Gebärmutter eingesetzt werden. Maximal sind das drei Embryonen.

Embryo-Qualität entscheidet über Erfolgsaussicht

Die Mediziner der finnischen Universität Oulu konnten in ihrer Studie nachweisen, dass die SET-Methode auch für ältere Frauen sicher und erfolgreich ist. Die Erfolgsquote entsprach mit 30 Prozent derjenigen jüngerer Frauen. Bisher war man davon ausgegangen, dass Frauen ab 35 bessere Chancen haben, Mutter zu werden, wenn man ihnen mehrere Embryos einpflanzt. Studienleiter Hannu Martikainen sagt: „Unsere Ergebnisse belegen, dass die Embryonen-Qualität das wichtigste Kriterium für eine erfolgreiche Schwangerschaft ist, nicht das Alter der künftigen Mutter.“ Er schränkt allerdings ein, dass die SET-Methode nicht für alle Frauen mit Babywunsch geeignet ist. „Bei jüngeren Frauen führen wir den Single-Embryo-Transfer in 60 Prozent der Fälle durch, bei älteren in 40 Prozent aller In-vitro-Befruchtungen. Dadurch haben wir die Rate der Mehrfachschwangerschaften auf zehn Prozent senken können.“

Hannu Martikainen erwartet, dass die SET-Befruchtung in den Ländern, in denen sie gestattet ist, in Zukunft auch häufiger für ältere Frauen mit Babywunsch angewandt wird. Er und sein Team wollen jetzt untersuchen, ob die Methode sich auch für Frauen über 40 eignet.

Die Studie erscheint in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Human Reproduction“.

23.5.06

Hypnose macht schwanger

Hypnose macht schwanger berichten die Kinderwunsch-News.

Geschah der Transfer unter Hypnose, so trat in 53% der Behandlungen eine Schwangerschaft ein. Im Vergleich dazu nur bei 30,2% der IVF-Zyklen ohne Hypnose.

Die Ärzte können nur spekulieren, um diesen Unterschied in den Erfolgsraten zu erklären. Ob es nun die Entspannung der Gebärmutter ist oder der mögliche Einfluss auf das Immunsystem, lässt sich gegenwärtig nicht sicher beurteilen.

6.5.06

Mehr Zwillinge durch Folsäure?

Während die US-Regierung momentan über die Einführung von mit Folsäure angereichertem Mehl nachdenkt, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie, dass eine solcher Zusatz die Zahl der Zwillingsgeburten nach In-Vitro-Fertilisation (IVF), bei denen mehr als ein Embryo transferiert wird, erhöhen könnte. IVF ist eine populäre Behandlungsmethode bei Unfruchtbarkeit, doch trotz neuerer Fortschritte führt nur einer von fünf Behandlungszyklen zu einer Schwangerschaft und einer Lebendgeburt. Die meisten IVF-Fachleute versuchen die Schwangerschaftsraten zu erhöhen, indem sie nach jedem Zyklus mehrere Embryonen einpflanzen. In Großbritannien, wo in der Regel zwei Embryos transferiert werden, führt jede vierte IVF-Behandlung zur Geburt von Zwillingen. Zudem wird allen Frauen, die eine Schwangerschaft anstreben, geraten, bis zur 12. Schwangerschaftswoche Folsäure als Nahrungszusatz einzunehmen, um Neuralrohrabnormalitäten wie die Spina Bifida zu vermeiden. Da angenommen wird, dass die Hälfte der Schwangerschaften in Großbritannien nicht geplant ist, können viele Frauen nicht früh genug mit der Einnahme beginnen. Daher stammt der Vorschlag, auch in Großbritannien Nahrungsmittel mit Folsäure anzureichern.

Paul Haggarty und Kollegen vom Rowett Research Institute and Department of Obstetrics and Gynaecology der Aberdeen University in Großbritannien schlossen 602 Frauen nach einer IVF-Behandlung in eine prospektive Vergleichsstudie ein. Dazu setzten die Forscher die Aufnahme von Folsäure über die Nahrung und Nahrungsergänzungsmittel, die Blut-Folsäure-Werte und Variationen in sechs Genen, die mit dem Folsäuremetabolismus zusammenhängen, in Relation zum Ergebnis der IVF-Behandlung.

Die Ergebnisse zeigen, dass Zwillingsgeburten nach dem Transfer zweier Embryonen im Zusammenhang mit hohen Folsäurespiegeln im Plasma und niedrigem Alter stehen, doch dass ein hoher Folsäurelevel die Chance für eine erfolgreiche Schwangerschaft nach einer IVF nicht erhöhte. Dieses Ergebnis stimmt mit den aktuellen Erfahrungen in den USA überein, wo die Anreicherung von Mehl mit Folsäure im Jahr 1998 mit einer 11- bis 13-prozentigen Erhöhung der Mehrgeburtenhäufigkeit nach einer Fertilitätsbehandlung einherging.

Die aktuelle Studie stellte auch einen Zusammenhang zwischen einem der Gene, dessen Produkt eine Rolle im Folsäuremetabolismus spielt, und dem Erfolg einer IVF-Behandlung fest. Die Autoren diskutieren die Auswirkungen dieser Ergebnisse auf weitere Forschungen und Fertilitätsbehandlungen.

Dr. Haggarty erklärt: "Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass die hohe Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsgeburt im Zusammenhang mit einer Unfruchtbarkeits-Behandlung reduziert werden könnte, ohne die Rate der Lebendgeburten zu senken, indem man Frauen dazu ermutigt, die empfohlenen Dosen an Folsäure nicht zu überschreiten." In einem Begleitkommentardiskutiert Gary Steinman die Auswirkung der Ernährung auf die Raten an Zwillingsgeburten auf der ganzen Welt.

Quelle: P Haggarty and others. Effect of B vitamins and genetics on success of in-vitro fertilisation: prospective cohort study. Lancet 2006; 367: 1513

4.5.06

Mutter mit 63

Es scheint zur Routine zu werden mit den älteren Müttern nach künstlicher Befruchtung: Eine 63-jährige Britin ist im siebten Monat schwanger, meldet die DPA.

Mit 63 Jahren will eine britische Ärztin nach künstlicher Befruchtung nochmals ein Kind zur Welt bringen. Die Kinder-Psychologin Patricia Rashbrook aus der Nähe von London bestätigte am Donnerstag, dass sie im siebten Monat schwanger ist. Aus erster Ehe hat sie bereits eine 26 Jahre alte Tochter und einen 22-jährigen Sohn. Der weltweite „Altersrekord“ bei einer Entbindung wird derzeit von einer Rumänin gehalten, die im Januar 2005 im Alter von 66 Jahren eine Tochter zur Welt brachte. Mit 63 Jahren würde Rashbrook jedoch die älteste Frau, die in Großbritannien jemals entbunden hat. Samenspender ist ihr zweiter Ehemann (61).

Die künstliche Befruchtung fand nach Informationen der Tageszeitung „The Sun“ in einer Fruchtbarkeitsklinik in Rom statt. Die Behandlung soll von dem italienischen Fortpflanzungsmediziner Severino Antinori übernommen worden sein, der bereits anderen älteren Frauen zu Nachwuchs verholfen hat. In Großbritannien ist die künstliche Befruchtung von Frauen dieses Alters nicht erlaubt.

Antinori ist übrigens auch der Arzt, der erstmals eine Schwangerschaft bei einer über 60-jährigen herbeigeführt hat und auch derjenige, der in Zusammenhang mit dubiosen Sekten vor 2 Jahren behauptete, den ersten menschlichen Klon geschaffen zu haben. Den Beweis für diese "Tat" blieb er jedoch schuldig, behauptet aber nach wie vor, dass das Kind geboren sei.

24.3.06

Kinderwunschbehandlung soll für alle möglich sein

"Wir brauchen mehr Kinder" fordert der Bundespräsident, doch für viele Paare ist dieser Appell schwer in die Tat umzusetzen: Laut neuesten Statistiken leben in Deutschland etwa zwei Millionen Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Mit diesem Thema beschäftigen sich die Mainzer Endokrinologie Tage in der Universitätsfrauenklinik.

Organisiert wurde der heute zu Ende gehende Kongress, der unter der Schirmherrschaft des Dekans des Fachbereichs Medizin, Prof. Reinhard Urban steht, vom Team des im Juni 2005 gegründeten Universitäts-Kinderwunschzentrums. "Europa ist der einzige Kontinent, dessen Bevölkerungszahl in den nächsten 30 Jahren abnimmt. Verbunden mit der Überalterung wird das zu großen Problemen führen", sagte Prof. Franz Fischl, der das Zentrum gemeinsam mit Dr. Rudolf Seufert leitet.

Das Thema "Kinderwunsch" ist neben der gynäkologischen Hormonforschung ein Schwerpunkt des Kongresses. Etwa 120 Reproduktionsmediziner und Hormonexperten aus dem deutschsprachigen Raum halten Fachvorträge und tauschen Erfahrungen aus. Außerdem stand ein Festvortrag von Prof. Johannes C. Huber (Medizinische Universität) auf dem Programm.

"Es gibt viele Gründe für Kinderlosigkeit", erklärte Seufert. "In den letzten Jahren sind viele neue Techniken und Verfahren dazu gekommen, die die Kinderrate nach oben treiben; auch bei der Behandlung männlicher Patienten gibt es neue Entwicklungen, die Erfolgsraten steigen." Wissenschaft und Technik seien weit entwickelt, problematisch sei jedoch, dass durch die Gesundheitsreform 2004 die finanzielle Unterstützung der Kassen unzureichend geworden sei. "Die Kosten für eine Behandlung werden nur noch über drei Zyklen unterstützt, dies führt dazu, dass die Leute höhere Risiken eingehen, um Kosten zu sparen. Wir möchten jedoch, dass die Verfahren allen zur Verfügung stehen", bekräftigte Seufert.

[Via: Rhein-Mainer]

23.2.06

Mutter mit 62.

Redding/USA (rpo). Eine Amerikanerin hat im eigentlich viel zu hohen Alter von 62 Jahren einen Jungen zur Welt gebracht - es ist ihr insgesamt zwölftes Kind.
Der 2.300 Gramm schwere Junge wurde am Freitag in der kalifornischen Stadt Redding per Kaiserschnitt entbunden. Nach Angaben ihrer Familie - Janise Wulf hat neben ihren elf Kindern 20 Enkel und drei Urenkel - verlief die Geburt eine Woche vor Termin reibungslos.

Die von Geburt an blinde Frau hat Diabetes und hatte in der vergangenen Woche hohen Blutdruck und Schwellungen bekommen, was die Ärzte bewog, die Geburt vorzuziehen.

Wulf hatte das Kind per künstlicher Befruchtung empfangen. Ihr dritter Mann ist 48 Jahre alt. Vor dreieinhalb Jahren bekam sie ebenfalls nach künstlicher Befruchtung einen Jungen. "Ich hasse es, einen alleine aufzuziehen", sagte sie. Von ihren zwölf Kindern ist eines bei Geburt und ein Sohn in seinen 30ern gestorben.

Wulf ist eine von einer Hand voll Frauen, die in diesem Alter noch Kinder geboren haben. Den Rekord hält die 66-jährige Rumänin Adriana Iliescu, die am 15. Januar 2005 per Kaiserschnitt ein Kind gebar.

Über ihre späte Schwangerschaft sagte Wulf, sie durchbreche damit eine Barriere für Frauen. "Alter ist eine Zahl. Man ist so alt wie man sich fühlt", erklärte sie. "Immer, wenn man etwas revolutioniert oder anders macht, wird es Leute geben, die dagegen sind."

Ob die nun tatsächlich mit eigenen Eizellen das Kind bekommen hat ist anhand dieser Pressemitteilung nicht zu klären.
[Via: RP-Online]

14.1.06

Antibiotikum bewirkt Frühgeburten

Da vaginale Infektionen ein möglicher Risikofaktor für Frühgeburten sind, untersuchten britische Gynäkologen den Einsatz von Metronidazol. Doch die randomisierte kontrollierte Studie musste vorzeitig abgebrochen werden. Das Antibiotikum führte nicht zu einer Abnahme, sondern zu einem Anstieg der Frühgeburten, wie im International Journal of Obstetrics and Gynaecology (2006; 113: 65) nachzulesen ist.

An der Studie hatten Schwangere teilgenommen, bei denen der Nachweis von fetalem Fibrinektin in der Vagina (in Gestationswoche 24 bis 27) auf eine Barrierestörung der Fruchtblase und damit auf ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt hingewiesen hatte. Sie wurden entweder mit Metronidazol oder Placebo behandelt. Metronidazol wird normalerweise zur Behandlung der bakteriellen Vaginose eingesetzt, die bei etwa fünf Prozent aller Schwangeren (bis über 30 Prozent bei Frauen mit sexuell übertragbaren Erkrankungen) nachweisbar ist und das Frühgeburtrisiko steigert.

Wie Andrew Shennan vom St. Thomas' Hospital in London mitteilt, wurde die „PREMET-Studie“ abgebrochen, nachdem es bei 33 der 53 Schwangeren (62 Prozent), die unmittelbar nach dem positiven Fibronektintest über eine Woche oral mit Metronidazol behandelt worden waren, zu einer Frühgeburt gekommen war. Im Placebo-Arm der Studie hatten nur 18 von 46 Schwangeren (39 Prozent) vor der 37. Woche entbunden. Damit erhöhte Metronidazol in dieser Hoch-Risiko-Gruppe das Frühgeburtrisiko um 60 Prozent (relatives Risiko 1,6, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,05-2,4), wodurch sich die Fortsetzung der Studie verbot.

Shennan hebt mit der folgenden Modellrechnung die Bedeutung der Studie hervor: In Großbritannien würden fünf Prozent der Frauen auf eine bakterielle Vaginose gescreent. Wenn der Test in einem von zehn Fällen positiv sei, würde eine von 200 Schwangerschaften als gefährdet eingestuft. Wenn diese Frauen mit Metronidazol behandelt würden und dadurch das Frühgeburtrisiko um 30 Prozent ansteigen würde, dann würde sich dies bei 700 000 Geburten pro Jahr auf 1 000 Frühgeburten als Folge einer Metronidazolbehandlung summieren. Diese Rechnung lässt aber unberücksichtigt, dass einige Kinder durch die Antibiotikatherapie vor einer perinatalen Infektion geschützt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt als Alternative zur oralen Therapie eine lokale intravaginale Applikation. Ob auch sie das Frühgeburtrisiko erhöht, wäre noch zu untersuchen. Ideal wäre es, wenn die Therapie vor der Schwangerschaft durchgeführt würde, was jedoch einen ausdrücklichen Kinderwunsch voraussetzt.

Via: Deutsche Ärzteblatt

4.1.06

Heimtest Spermiogramm

Der weltweit erste frei erhältliche Fruchtbarkeitstest für Männer ist in Großbritannien auf den Markt gekommen. Der Heimtest soll Paaren mit Kinderwunsch als Frühwarnsystem für Fruchtbarkeitsprobleme dienen.

Nach einer Stunde weiß Mann, wie beweglich seine Spermien sind, teilte die britische University of Birmingham am gestrigen Dienstag mit. Eine gute Schwimmfähigkeit der Keimzellen ist eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Befruchtung einer Eizelle.

In dem Test müssen die Spermien durch eine Barriere schwimmen, in der die Bedingungen im weiblichen Gebärmutterhals simuliert werden. Mit einem Gerät werden die Keimzellen gezählt, die die Barriere passieren. Auf diese Weise wird die Konzentration aktiver Spermien bestimmt. Ist sie ausreichend hoch, erscheint eine rote Linie, die das positive Ergebnis anzeigt.

Ein Forscherteam um Chris Barratt beschrieb die Entwicklung des Tests in der Online-Ausgabe des Magazins "Human Reproduction". Ein Testlauf mit 150 Männern ergab, dass der Test bei 95 Prozent der Proben richtige Ergebnisse lieferte.

Paare mit Kinderwunsch könnten mithilfe des Tests frühzeitig prüfen, ob ein Problem mit der Zeugungsfähigkeit des Mannes besteht. Bislang würden sie meist angewiesen, erst nach einem Jahr ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, falls es nicht zur gewünschten Schwangerschaft kommt. "Aber das Alter kann einen sehr deutlichen negativen Effekt auf die Fruchtbarkeit haben", sagt Barratt. Daher könne es von Vorteil sein, frühzeitig Klarheit zu haben.

Der leicht anzuwendende Test biete zudem einen weiteren Vorteil: Er nehme Druck von Männern, die sich schämten, eine Probe in einer Fruchtbarkeitsklinik abzugeben.